Zukunftsworkshop – your hands already know

Wir starten den Tag mit einem Experiment: dem THF ZUKUNFTS-EXPERIMENT

Auf der Wiese vor dem Torhaus ist ein großer Tisch aufgebaut. Darauf jede Menge Kinderspielzeug. Ziel des Workshops ist es, zunächst einen Ist-Zustand des Prozesses rund um das Flughafengebäude aufzubauen. Wenn dann die verschiedenen Stränge und Abhängigkeiten sichtbar geworden sind, wird nochmal umgebaut, bis auf dem Tisch ein Wunsch-Zustand, eine Zukunftsvision sichtbar wird, mit der alle Akteure einverstanden sind.Angeküdigt haben sich die unterschiedlichsten Menschen aus Politik, Initiativen, Wirtschaft sowie Mieter*innen und Bürger*innen. Alles Akteur*innen, die sonst viel miteinander diskutieren, sich aber häufig nicht auf einen gemeinsamen Nenner einigen können. Heute wird nicht diskutiert, heute wird gemeinsam etwas erschaffen.

Geleitet wird der Workshop von Jacob Bilabel, dem Gründer der Thema1 GmbHund der Green Music Initiative.  Ungewöhnlich ist: Er verzichtet auf eine Vorstellungsrunde, denn heute geht es darum, mal die eigene Rolle zu verlassen und den Kopf weitestgehend auszuschalten. “Your hands already know”!

Zu Beginn wird noch etwas verhalten gebaut, einzelne Gegenstände werden auf den Tisch gelegt, alle Teilnehmer*innen stecken noch fest in ihren Rollen. Es ist für alle ungewohnt, plötzlich gemeinsam etwas erschaffen zu sollen. Aber der Moderator führt die Gruppe mit Fingerspitzengefühl durch den Prozess und tatsächlich nimmt das ganze Geschehen recht schnell Fahrt auf und beginnt Spaß zu machen. Nach einer Stunde etwa steht ein großes, komplexes und ziemlich abschreckendes Konstrukt auf dem Tisch, welches den aktuellen Ist-Zustand des Prozesses in THF darstellt.
Der Gruppe wird klar: Wenn so das Bild des THF-Prozesses aussieht, welches auch von den Menschen da draußen wahrgenommen wird, dann wundert es keinen, dass hier kaum Beteiligung sttatfindet. Es ist ein großes mächtiges und erschlagendes Bild. Ein leerer Getränkekasten ist das gewaltige, undurchlässige Gebäude. Alle Stränge führen zur Verwaltung Tempelhof Projekt, die durch eine große Küchenreibe auf dem Gebäude sitzt und sich mit allen Akteur*innen reiben muss. Ein Zaun umgibt das komplizierte Gebilde und hält die Nachbar*innen und Bürger*innen fern. Die Koalitionspartner*innen, dargestellt durch ein paar Bauernhoftiere, sitzen von allem am weitesten entfernt und schauen auf das Gebäude, haben aber keinerlei Verbindung dazu. Die Finanzierung steht komplett auf der Rückseite des Gebäudes, kaum sichtbar für die Menschen und die Verbindung Gebäude und Finanzierung ist ziemlich unangenehm verknotet.
Dies sind nur ein paar wenige Beispiele aus dem komplizierten Gebilde THF.

Die Teilnehmer*innen des Workshops betrachten das Bild von allen Richtungen und mit jedem neuen Blickwinkel wird klar, welche Stränge und Verbindungen einer Entwicklung im Weg stehen. Die zweite Aufgabe ist es, das Bild so umzubauen, dass es sich für alle Teilnehmer gut anfühlt. Wie könnte der Prozess so gestaltet werden, dass er die nächsten Jahre funktioniert?
Als der Moderator das Signal gibt, den Umbau zu starten, wissen alle sofort, was zu tun ist. Der Zaun muss weg. Das Gebäude, dargestellt durch den mächtigen Getränkekasten, wird gekippt, so dass er nun sichtbar und offen ist für viele mögliche Nutzer. Die vielen alleinigen Verbindungen zur Tempelhof Projekt GmbH werden durch weitere Schnittstellen untereinander ergänzt, eine Vernetzung aller Akteur*innen des Flughafens wird hergestellt. Die große Küchenreibe Tempelhof Projekt wird durch einen kleinen, freundlichen Teddy ersetzt. Sie sollen sich nicht mit allen Akteur*innen reiben müssen, sie sollen Möglichmacher*innen werden. Die Koalitionär*innen und auch die Nachbar*innen und Bürger*innen werden von außen in das Bild hineingeholt, eine Art Forum entsteht, in dem alle gemeinsam über die Nutzung entscheiden.

Kompliziert ist dieses zweite Bild jedoch auch. Es ist nicht mehr so mächtig und viel angenehmer anzuschauen, aber an Komplexität hat es nicht verloren. Das wird es aber vielleicht auch nie, denn immerhin ist das Gebäude so groß wie ein ganzer Stadtteil. Es wird wahrscheinlich nie fertig und immer in Entwicklung sein und das ist auch gut so.

Das Ergebnis des Workshops ist kein festgelegter Weg, welcher jetzt genau so beschritten werden soll. Das wäre auch vermessen, nach nur zwei Stunden, mit 15 Teilnehmern. Es war ein Experiment, es war ein Format, bei dem mal nicht Probleme diskutiert, sondern Lösungsmöglichkeiten gemeinsam erschaffen wurden und vor allem war es eine teambildende Maßnahme für Akteur*innen, die sonst nicht zueinander finden. Und das ist absolut gelungen!
Während der Check-Out-Runde stellt sich heraus, dass doch alle mit ihren Zukunftsvisionen für den Flughafen näher beieinander liegen, als gedacht und dass es durchaus eine Bereitschaft gibt, den Prozess miteinander und kooperativ zu gestalten.
Danke lieber Jacob Bilabel, für dieses spannende und gelungene Experiment!

Das Filmteam von I like visuals hat den gesamten Prozess mitgefilmt und wir werden die Ergebnisse schnellstmöglich auswerten und öffentlich zur Diskussion stellen. Leider waren für das Gruppenfoto am Ende nicht mehr alle Teilnehmer*innen anwesend, denn die Sonne brannte unbarmherzig. Dennoch danken wir allen Teilnehmer*innen sehr, dass sie dabei waren und größtenteils bis zum Schluss durchgehalten haben!

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